Oberfränkische Schachtage, Tag 3: Alter schützt vor Remis nicht

Nach wie vor zeigen sich die erwachsenen Höchstadter ungewohnt pazifistisch, viele Partien enden im Remis. Die Jugend hingegen setzt oft alles auf eine Karte und verlässt das Spielbrett mit einem Punkt - oder eben nicht: The winner takes it all.

Vormittag

In den frisch gestarteten Runden der U12 und U10/U8 entwickelten sich die Partien sehr schnell, kaum ein Paar machte Gebrauch von den 55 Minuten Bedenkzeit. Bei einem Inkrement von 5 Sekunden pro Zug kam kaum einer der jungen Spieler in Zeitnot. In der U10/U8 konnte sich Niklas Durmann mit 2 Punkten aus 3 Spielen auf einem schönen 6. Platz im Mittelfeld platzieren. Adrien Marois führte in der U12 die Tabelle mit 3 Siegen an, während Paul Schwarzmann bislang ein Remis erringen konnte. Am Nachmittag werden nochmal 2 Runden gespielt werden.

Bei den Erwachsenen suchte Norman Bauschke lange Zeit nach einer fantasievollen Eröffnung, verlor sich nach eigenen Angaben jedoch in dieser Fantasie, so dass anstatt eines triumphalen Sieges lediglich ein Remis heraussprang. Ebenfalls Unentschieden spielte Oliver Mönius gegen Matthias Dierl (SK 1907 Kulmbach), während Nasibullo Komilov leider verlor.

Christian Schirl focht eine hitzige Partie mit heftigen Angriffen auf beiden Seiten. Als sich der Pulverdampf lichtete, verfügten beide Seiten jedoch nicht über einen nennenswerten Vorteil, so dass auch diese Partie vorerst im Frieden endete. Etwas hinter seinen Möglichkeiten blieb Nicolas Leiß, der einen harten Kampf lieferte, aus Zeitnot jedoch schlechter spielte als gewohnt und aus seiner besseren Stellung keinen Vorteil herausholen konnte bis auch er ein Remis in Kauf nehmen musste.

Felix Stier gewann gegen Jan Fischer (SF Kirchenlamitz e.V.) indem er einen geschlagenen Springer nicht rächte, sondern sich stattdessen auf einen gezielten Königsangriff fokussierte. Diese Weitsichtigkeit brachte ihm den Sieg. Daniel Kern wollte seine Verlustpartie am liebsten nicht selbst kommentieren und überließ diese Entscheidung dem Berichterstatter.

Konstantin Gebhardt erzwang in der U14 ein Untentschieden, indem er seinen Gegner trotz eines verlorenen Turms mit taktischen Motiven so lange zermürbte, bis dieser schlussendlich von sich aus das Remis anbot. An dieser Stelle zahlte sich Hartnäckigkeit definitiv aus.

Nachmittag

Die Leistungen in den U18/U16 Altersklassen waren durchwachsen. Kyrylo Kholodnykh kämpfte 3 Stunden erbittert gegen den den derzeit Ranglisten-Letzten, bevor es ihm gelang zu obsiegen – ein mahnendes Beispiel, keinen Gegner zu unterschätzen. Derweil verlor Rashad Jones nach eigener Aussage knapp, da es ihm nicht gelang, alle Figuren in seinen Angriffsplan einzubeziehen, welcher daraufhin scheiterte. Auch Sebastian Vollmer verlor seine Partie, da er zwischen zwei Königszügen (einer brachte Remis, einer den Verlust) gerade den falschen wählte.

Eine Altersklasse niedriger, in der U14 war Emina Schirl so sehr auf eine mögliche Mattkombination fixiert, dass sie die Drohung ihres Gegners übersah und selbst besiegt wurde. Dieser Tunnelblick stellt sich jedoch bei allen Schachspielern irgendwann ein und kann nur durch weitere Turnierpraxis überwunden werden. Konstantin Gebhardt setzte seinen Gegner Matt und kann nach 6 Spielen bislang 3,5 Punkte vorweisen.

Bei den ganz jungen scheint der Knoten bei Paul Schwarzmann nun geplatzt zu sein. In den beiden Spielen des Nachmittages erzielte er 2 Punkte und hat nun 2,5/5. Adrien Marois liefert sich derzeit mit 4 Punkten ein Kopf-an-Kopf Rennen mit Julian Schmuck (SC Seubelsdorf e. V.) um die Spitze. In der U10/U8 hält Niklas Durmann sich weiter mit 3 Punkten im Mittelfeld. Eindeutigere Platzierungen werden sich bei den letzten Runden am Sonntag herauskristallisieren.

Bei den Erwachsenen lohnt es sich immer, zuerst Norman Bauschke nach einer Einschätzung seiner Partie zu fragen. Der Traditionsspieler liebt eigentlich ausgedehnte Mittelspiele mit komplizierten Stellungen, weshalb der schnelle Abtausch seines Gegners in eine allzu offene Stellung ihm nicht zusagte. Daher fiel es ihm leicht, das Remis-Angebot des DWZ-schwächeren anzunehmen.

Holger Schwarzmann – in inoffiziellen Kreisen schon „Remis-König“ betitelt – konnte diese Last nun endlich von sich abschütteln und besiegte Olena Averkova (SC Bamberg). Derweil ist Christian Schirl mit seinem zügigen Remis sehr zufrieden und spürt – so zumindest seine Sicht auf die Dinge – sowohl die Last des Alters, als auch die 20-jährige Spielpause ohne Turnierpraxis. Man gönne ihm bis zum nächsten Jahr um wieder zur alten Form zurückzufinden, denn dass das Alter einen vom Schachspielen abhält, das glaubt ganz bestimmt niemand.

Christian Koch und Andreas Kellmann trennten sich im Remis voneinander. Andreas rangiert derzeit noch auf Platz 7 und ist mit 4 Punkten somit der Höchstplatzierte Höchstadter. Oliver Mönius nutzte mehrere kleine Ungenauigkeiten seiner Gegnerin aus und konnte so gewinnen.

Zu diesem Zeitpunkt spielen an Brett 1 noch Yaroslav Demchenko (SC Bamberg) und Pablo Wolf (SC Bamberg). Obgleich es Pablo Wolf in der Vergangenheit schon gelang, seinen Vereinskameraden bei Turnieren zu besiegen, wird das Ergebnis der Partie mit Spannung erwartet. Noch ist alles offen, aber mit einem Sieg würde es Demchenko gelingen, seinen Anspruch auf die Erstplatzierung weiter zu zementieren.

Bericht: TS